Austausch mit Polen

Seit 20 Jahren besteht ein Schüleraustausch zwischen dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium und dem

I. Liceum in Dąbrowa Górnicza in Polen.

 

 

An diesem Austausch nehmen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 teil. Die teilnehmenden polnischen Schülerinnen und Schüler lernen Deutsch als zweite Fremdsprache.

Das Programm der Begegnung reicht von einem Empfang in der Partnerschule, Teilnahme am Unterricht, einer von den polnischen Schülerinnen und Schülern kommentierten Stadtrundfahrt durch Dąbrowa Górnicza und Sosnowiec mit Stadtmuseum und Kattowitzer Hütte bis hin zu einer ganztägigen Erkundung der ehemaligen Krönungsstadt der polnischen Könige, Krakau.

Zum Pflichtprogramm des Austausches zählt der Besuch des unweit von Dąbrowa Górnicza gelegenen ehemaligen KZ-Auschwitz, mit dem vor allem der im deutschen Namen begangene millionenfache Mord am europäischen Judentum unlösbar verbunden ist und bleibt.

 

In der Zeit vom 27. November bis zum 4. Dezember waren 19 Schülerinnen und Schüler der polnischen Partnerschule des Annette-Gymnasiums zu Besuch in Münster. Neben dem gemeinsamen Besuch des Unterrichts, einer Stadtführung mit dem obligatorischen Empfang im Rathaus der Stadt Münster, einer gemeinsamen Fahrt nach Köln sowie gemeinsamen Freizeitaktivitäten stand auf dem Programm auch eine gemeinsame Projektarbeit in der Villa ten Hompel zur Thematik „Flucht und Vertreibung". Hiervon berichtet der folgende Zeitungsartikel aus den Westfälischen Nachrichten:

Ein schwieriges Geschichtskapitel
Schüler diskutieren über Vertreibung

 

Aussagen wie „Deutsche sind geldgierig“ und „Polen klauen“ gibt es nach wie vor in vielen Köpfen diesseits und jenseits der Oder. Aber das vielleicht schwierigste und nach wie vor für die Beziehungen zwischen beiden Ländern belastendste Thema ist die Aufarbeitung von Krieg und Vertreibung.
Die Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und des I. Liceum Dabrowa-Górnicza haben während eines einwöchigen Austausches im Geschichtsort Villa ten Hompel über die unterschiedlichen Sichtweisen in Deutschland und Polen diskutiert.
Ein Ergebnis der Analyse: Teile der konservativ-liberalen Öffentlichkeit Polens sprechen vom Versuch der Geschichtsfälschung. In die Gegenrichtung sind Vorwürfe zu hören, die Polen sähen sich allein als Opfer, dass es im Zuge der Vertreibung von Millionen Deutschen auch Täter gegeben habe, wolle man nicht wahrhaben.
„Es geht hier nicht um Fakten, sondern um die Deutung“, erklärt Dr. Bernd Weber, Betreuer des Austausches. In Kleingruppen und in Referaten wird das Thema daher bewusst „mehrperspektivisch“ angegangen.
„Uns ist es wichtig, die Geschichte zensurübergreifend und in einer lockeren Atmosphäre zu behandeln. Dazu ist eine Vertrauensbasis zwischen den Schülern eine unbedingte Voraussetzung“, sagt Stefan Querl, pädagogischer und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Villa ten Hompel.
Die Kooperation zwischen den beiden Gymnasien besteht bereits seit fast 20 Jahren. Um es den Zehntklässlern möglichst einfach zu machen, wird in drei Sprachen diskutiert. „Die Abschlussklassen konnten früher nahezu fließend Deutsch. Heute ist Englisch die erste Fremdsprache“, erinnert sich Bärbel Dahlhaus, stellvertretende Schulleiterin und Geschichtslehrerin des Annette-Gymnasiums.
Im März 2009 findet der Gegenbesuch der deutschen Schüler in die Region Oberschlesien statt.

Westfälische Nachrichten, 02.12.2008


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