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Bilbao-Austausch

10. 05. 2019 09:08

Julia Aichele, Laura Schmidtke (EF), Fotos von Joana Kathri Chhetri

Donnerstagmorgen – halbwegs ausgeschlafen – treffen wir uns am Hauptbahnhof Münster, um unsere spanischen Austauschschüler, die bereits im November zur Weihnachtsmarktzeit bei uns zu Besuch waren, in ihrer Heimatstadt Bilbo, wie der baskische Name der Stadt Bilbao lautet, zu besuchen.
Acht Stunden später haben wir gerade genügend Zeit um anzukommen und die herzlichen Familien unserer Austauschschüler kennenzulernen, denn schon machen wir uns auf den Weg zum ersten Gruppentreffen im Park Europa, der genauso wie die meisten Wohnungen der Spanier, weniger als fünf Minuten von der Schule entfernt liegt.

Auch die nächsten Tage erkunden wir im Beisein unserer Austauschschüler Bilbao Stück für Stück. Bereits am Freitag besichtigen wir die Altstadt – manche laufen den halbstündigen Weg, andere bevorzugen die Metro, um in die Stadt zu gelangen – und fahren dann mit einer Bergschienenbahn den Berg Artxanda hinauf. Von dort oben kann man ganz Bilbao überblicken, weshalb wir es uns nicht nehmen lassen, eine Ewigkeit mit dem Fotografieren zu verbringen. Die Tatsache, dass Shawn Mendes vor weniger als zwei Wochen noch hier oben ein Konzert gegeben hat, wie eine der Spanierinnen verkündet, versüßt den Ausblick noch mehr und sorgt dafür, dass es mindestens eine Stunde dauert, bis wir uns wieder für die Talfahrt in die Schlange einreihen.


Auch am Wochenende stehen weitere Gruppentreffen an. So verbringen wir den Samstagvormittag in unseren Gastfamilien und treffen uns am Nachmittag am Strand. Obwohl das Wetter mehr als miserabel ist, und es aus Kübeln schüttet, lassen wir es uns nicht nehmen, auch hier einige Andenken an unseren Aufenthalt in Bilbao zu knipsen, bevor wir schließlich frustriert von dem Wetter zurück in die Metro flüchten. Am Sonntag hat sich das Wetter in strahlenden Sonnenschein gewandelt, sodass wir nach einer kurzen Wanderung auf einen der Berge, in dessen Tal Bilbao liegt, unser mitgebrachtes Picknick gemütlich im Freien verbringen können. Hier sind wir den Rest des Tages, spielen gemeinsam Fußball, Volleyball oder sitzen einfach nur zusammen und quatschen. Was bei uns in Deutschland mittlerweile vollkommen außer Mode gekommen zu sein scheint, machen die Basken öfters, denn wann und wo auch immer wir uns treffen – einen Fußball hat immer jemand dabei, so dass an jedem Ort ein wenig gespielt werden kann. Am nächsten Abend fahren wir zu einem Shoppingcenter. Da die meisten von uns einen leichten Sonnenbrand davongetragen haben, sind wir froh den restlichen Tag drinnen und nicht in der Sonne zu verbringen. Nachdem wir ein wenig herumgebummelt sind, gehen wir schließlich noch in Gruppen gemeinsam Essen, wobei Spanier und Deutsche bunt gemischt sind und genießen die Stimmung, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Hause machen. Der vorletzte Abend hält eine Lasertagpartie bereit, an der alle mit wildem Eifer teilnehmen. Deutsche gegen Spanier, zwei Runden. Und obwohl wir sogar eine Person mehr sind, verlieren wir beide Partien, was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut.

Auch tagsüber sind wir damit beschäftigt, Bilbao kennenzulernen. Während wir mit unseren Austauschpartnern die Möglichkeit bekommen, die Stadt aus der einheimischen Perspektive zu sehen, erkunden sie wir mit unseren Lehrerinnen klassisch touristisch.

Unsere Führer durch die Altstadt und im Rathaus sprechen ausschließlich Spanisch - was besonders für die Neueinsteiger, die die Sprache erst seit einem halben Jahr lernen, eine Herausforderung darstellt. Jedoch helfen hier anschließende gemeinsame Übersetzungen ins Deutsche, bei denen jeder, der etwas verstanden hat, seinen Teil dazu beiträgt. Auch weitere Attraktionen Bilbaos, wie zum Beispiel „El puente de Vizcaya“, an der eine Schwebefähre hängt und die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, oder das Guggenheimmuseum, dank dem Bilbao heutzutage eine touristenanziehende Stadt ist, lernen wir in den nächsten Tagen kennen. Am Montag machen wir einen Tagesausflug, der uns zunächst nach Gernika führt. Die Stadt hat eine große Bedeutung für die baskische Kultur, denn hier findet sich ein Nachfahre der Eiche wieder, unter der sich schon vor vielen Jahrhunderten der baskische Ältestenrat traf, um wichtige Entscheidungen zu fällen. Danach geht es weiter nach San Juan de Gaztelugatxe. Gerade für alle Game of Thrones-Fans ist dies ein besonderes Highlight, da man eine perfekte Aussicht auf die Insel Drachenstein hat, welche eine große Rolle in der Serie spielt. Einige Fotos später, müssen wir uns schweren Herzens auf den Rückweg vom Tagesausflug machen.

An unserem letzten ganzen Tag in Bilbao, fahren wir gemeinsam mit unseren Austauschschülern nach San Sebastián, wo wir uns zunächst kurze Vorträge der Spanier zu Sehenswürdigkeiten in der Stadt anhören, bevor wir ein Aquarium besichtigen und schließlich noch ein wenig Freizeit in der Touristenstadt genießen. Bevor wir jedoch wieder nach Bilbao zurückfahren, laufen wir noch zum Strand hinunter, bis zu den Windkämmen, die auf Spanisch „Peine del viento“ genannt werden. Dort haben wir ausreichend Zeit, um noch einmal Fotos mit jedem zu schießen, die wir als Andenken mit nach Hause nehmen können, bevor wir schließlich die Rückreise antreten.

Unser letzter Abend endet nach einiger Zeit im Park, die wir mit Fußballspielen verbracht haben, in einem Restaurant, in dem wir als große Gruppe gemeinsam essen. Obwohl die Stimmung ein wenig gedämpft durch die baldige Abreise ist, lachen wir viel. Es ist bereits weit nach elf Uhr abends, als wir uns schließlich trennen und jeder den Weg nach Hause antritt. Am nächsten Morgen ist der erste schwierige Akt sich von seinen Gasteltern zu verabschieden. Obwohl die meisten von uns nicht viel Zeit mit ihren Gasteltern verbracht haben, fällt der Abschied von den herzlichen Familien sehr schwer. In der Schule angekommen, haben wir noch drei Unterrichtsstunden Zeit, um uns auf unsere tatsächliche Abreise vorzubereiten. In der zweiten Unterrichtsstunde dürfen wir an dem Englischunterricht der Spanier teilnehmen, was ein Glück ist, da der Rest des Unterrichts auf Baskisch geführt wird, wir also nicht der in der Lage wären, auch nur ansatzweise etwas zu verstehen. Anschließend werden uns von einigen spanischen Schülern mehrere Wörter und Ausdrücke auf Baskisch beigebracht. Viele von uns haben bereits einige baskische Unterrichtsstunden von ihren Austauschschülern erhalten, aber nichtsdestotrotz bietet die Stunde noch einmal einen netten Ausklang der Zeit im Baskenland.

Als wir uns dann schließlich nicht viel später von unseren Austauschpartnern verabschieden, müssen unsere Lehrerinnen ziemlich viel Geduld aufbringen, weil jeder von uns erst jeden der spanischen Schüler umarmt. Sowohl in dieser Woche als auch in der in Deutschland, haben wir viel gemeinsam als Gruppe unternommen, was uns mit jedem der Basken, und nicht nur mit unserem eigenen Austauschpartner, zusammengeschweißt hat. Schlussendlich ist es dann soweit und wir gehen durch das Drehkreuz der Metrostation. Obwohl die Spanier ihren Lehrer zu überreden versuchen, uns noch bis zum Flughafenbus begleiten zu dürfen, gibt dieser nicht nach. Als wir dann in die Metro einsteigen und der Gruppe ein letztes Mal winken, fließen fast erneut einige Tränen. In der Metro, im Bus und im Flugzeug denken wir immer wieder gemeinsam an die vergangene Woche zurück und sind uns alle einig, dass wir während des Austausches eine wunderbare Zeit hatten. Auch wenn ganz zu Beginn viele von uns skeptisch gewesen waren, ob sie sich beispielsweise verständigen würden können, war das im Endeffekt überhaupt kein Problem, denn auch mit wenig Vokabular oder mit Übersetzungen unserer Austauschpartner vom Englischen ins Spanische für ihre Familien, hat man sich super mit seiner Gastfamilie verstanden. Und auch wenn das Programm, das wir abends mit unseren Austauschschülern, oder das Programm, das wir mit unseren Lehrern tagsüber durchgeführt haben, lustig und interessant war, waren doch die neuen Freunde, die viele von uns gefunden haben, das Beste an diesem Austausch und der Grund, weswegen wir allen, die Spanisch lernen oder es zukünftig tun wollen, empfehlen an diesem Austausch teilzunehmen.


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