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Dem Frieden ganz nahe – Annette-Schüler im Gespräch mit Amir Tadmor

14. 12. 2018 12:42

Eine Geschichts- und Religionsstunde der besonderen  Art erlebten die Schülerinnen und Schüler des Annette-Gymnasiums. Zu Besuch war Amir Tadmor aus Israel, der als enger Mitarbeiter des Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin ab 1993 aktiv an dem Osloer Friedensprozess für den Nahen Osten beteiligt war – bis Rabin 1995 einem Attentat von Rechtsextremisten zum Opfer fiel.

Schulleiterin Anette Kettelhoit begrüßte zusammen mit zahlreichen Schülern und Lehrern aus Religions- und Geschichtskursen den Gast in Münster und erinnerte an die mühsamen Prozesse, die Münster schließlich im Jahre 1648 zu einer Stadt des Friedens gemacht haben. „Jerusalem, meine Heimatstadt“, so Amir Tadmor, „sei auch eine Stadt des Friedens und zugleich eine Stadt mit den meisten Konflikten weltweit“.

Er schilderte anhand seiner eigenen Erlebnisse und Erfahrungen den mühsamen Friedensprozess zwischen verfeindeten Israelis und Palästinensern, die Notwendigkeit, Hass zu überwinden und Vertrauen zu schaffen und schließlich den sichtbaren Erfolg der Verhandlungen, den Handschlag zwischen Rabin und Arafat 1993 in Washington.  Mit dem Attentat hätten Extremisten auf beiden Seiten wieder die Oberhand gewonnen. „Der Traum vom Frieden ist das Vermächtnis Rabins“, so Tadmor, der sich mit beeindruckendem Engagement weiter für die Verständigung einsetzt:  „Frieden braucht Zeit. Es geht drei Schritte vor und zwei, manchmal auch drei  wieder zurück.“ Eine zentrale Rolle spiele dabei die Bildung.


Als Lehrer, Schulleiter und Vorsitzender des Verbandes „Children of Abraham“ setzt Tadmor sich seitdem für israelisch-palästinensische Friedenserziehung ein. Schließlich gebe es keine Alternative zum Frieden, wenn man sinnloses Töten vermeiden wolle. Sein Vater, der sechs Kriege erlebt habe, hatte ihm gewünscht, dass er keinen Krieg mehr erleben müsse. Das sei nun nicht eingetreten und auch sein Sohn sei noch unter Bedingungen des Krieges aufgewachsen, aber für seinen gerade geborenen Enkel könnte dieser Wunsch einmal in Erfüllung gehen – „never give up hope“, so Tadmor.

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich beeindruckt von so viel Engagement und Hoffnung in einem scheinbar unlösbaren Konflikt. Sie hatten sich im Unterricht zuvor intensiv mit der Situation im Nahen Osten, den Konfliktlagen und Friedensinitiativen auseinandergesetzt und konnten dem Gast zahlreiche Fragen stellen: zu seinen persönlichen Erlebnissen, den Perspektiven für neue Friedensprozesse, der Rolle von politischen Entscheidungen und bürgerschaftlichem Engagement und seinen Einschätzungen der aktuellen Politik in Israel. Amir Tadmor ging auf alle Fragen ausführlich ein. Die Schülerinnen und Schüler dankten ihm am Ende mit langem Applaus für das Gespräch. „Es ist ein bisschen so, als hätten wir Geschichte selber erlebt, anstatt sie nur nachträglich zu verstehen“, so der spontane Eindruck eines Schülers.

Amir Tadmor ist auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nach Münster gekommen und hielt am Abend einen öffentlichen Vortrag im Festsaal der jüdischen Gemeinde.


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