„Europa, wir müssen reden! Brüssel bereisen, Politik verstehen“

23. 11. 2018 10:38

Fünf Schulen auf Europa-Entdeckungstour in Brüssel

Von Paula Dewert (Annette-Gymnasium Münster), Camilla Karnau (Marienschule Münster)

Endlich war es soweit, mit gepackten Koffern standen wir am Montag um 7 Uhr in der Eingangshalle des Bahnhofs und freuten uns auf die kommenden drei Tage in Brüssel: Was erwartet uns in der europäischen Hauptstadt? Wie ist die Stimmung bezüglich des Brexits, der aktuellen Flüchtlingssituation, der anstehenden Europawahl und der anderen aktuellen Herausforderungen? Wird sich unser Bild von der Europäischen Union verändern?

Nach etwa vier Stunden Fahrt kamen wir an unserem Hotel im Stadtteil Molenbeek an und konnten dann einen ersten Eindruck von der Stadt gewinnen. Uns fiel schnell auf, wie international geprägt Brüssel ist: selten haben wir so viele internationale Supermärkte, Restaurants und Geschäfte auf engem Raum gesehen. Direkt im Anschluss ging es für uns zum Goethe-Institut. Hier wurden wir von Antonia Blau, Leitung Europäische Projekte, und ihrem Team über aktuelle Projekte aufgeklärt und erfuhren zum ersten Mal, wie wichtig es für die Zukunft der EU ist, mit allen Mitgliedsstaaten im ständigen Dialog zu stehen. Durch den steigenden Nationalismus, der aktuell in vielen europäischen Ländern zu beobachten ist, rückt der multinationale Verbund manchmal zu schnell in den Hintergrund.

Am folgenden Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf dem Weg zum „Haus der Europäischen Geschichte“. Wir haben dort viel über die Gründung der EU und ihrer Entwicklung in den letzten Jahrzehnten gelernt. Die Mittagspause nutzten wir dafür, die typischen belgischen Waffeln zu probieren. Nachmittags erhielten wir die Möglichkeit den CDU-Abgeordneten Dr. Markus Pieper (MdEP) aus NRW im Europäischen Parlament zu treffen und ihm unsere Fragen zu stellen: Wir haben viel über Deutschlands Rolle, die aktuelle Debatte über die Erneuerung des Urheberrechts und Piepers Werdegang erfahren. Außerdem beantwortete er unsere Fragen zur Migrationspolitik, der Zukunft Europas und warum der Vorwurf die europäische Politik wäre nicht vollständig demokratisch legitimiert, seiner Meinung nach nicht zutrifft. Zuletzt haben wir Herrn Pieper eine bronzene Taube übergeben:


Die Kunstwerke von Richard Hillinger, der 30 dieser Skulpturen zum 60. Jahrestag der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der UN erschuf, sollen Engagement für die Verwirklichung der Menschenrechte würdigen. Die Tauben „fliegen“ von vorherigen Preisträgern zu weiteren Personen oder Institutionen. Münster hat die Taube von der Stadt Hannover im Rahmen der „Mayors for Peace“ Bundeskonferenz bekommen. Wir geben sie nun an das Europäische Parlament weiter, um zu zeigen, wie wichtig der Europäische Zusammenhalt und die verbindende europäische Kultur sind.

Nach unserem ersten Besuch im Parlament sind wir von einem sogenannten „kritischen Stadtführer“ durchs EU-Viertel geführt worden. Wichtige Themen der Führung waren vor allem die Veränderung des Viertels durch vermehrten Bau von Bürogebäuden, die multi-kulturelle Stadt Brüssel und der Lobbyismus innerhalb der EU, erklärt an verschiedenen Gebäuden und Plätzen.
Brüssel ist eine Stadt, die sehr vielfältig und bunt ist. Oft wurde sie von den verschiedenen Referenten als „widersprüchlich“ bezeichnet: neben dem diplomatischen EU-Viertel existiert auch viel Armut und fehlgeschlagene Integration. Durch diese beiden Programmpunkte hatten wir die Chance zwei politisch völlig unterschiedlich einzuordnende Meinungen zu dem „Wie?“ der Europäischen Union kennengelernt. Trotz der Unterschiede war beiden die gemeinsame Begeisterung für diesen Völkerbund anzumerken.

Mittwochmorgen haben wir ein zweites Mal das Europäische Parlament besucht und haben uns nach einer Einführung den Plenarsaal anschauen dürfen. Es wurde dabei deutlich, in welchen Bereichen die EU wichtig für uns ist und warum sie gerade für die Zukunft entscheidend ist. Als eine Form der europäischen Vielfalt haben wir viel über die politische Landschaft des Europäischen Parlaments gelernt und den Umgang mit 24 Amtssprachen erklärt bekommen.

Über die Tage in Brüssel wurde die Begeisterung für die EU an vielen Orten auf unterschiedlichste Weise spürbar. Trotzdem war oft auch eine gewisse Sorge über die Zukunft der EU, die durch geringe Wahlbeteiligung oder den Brexit beeinflusst werden wird, präsent. Umso mehr ist die Reise als Chance für Wertschätzung der und Engagement für die EU zu sehen, die wir Jugendlichen nutzen durften.

Die Schülerakademie findet im Rahmen der Programmwoche „1648 – Dialoge zum Frieden“ statt und wird vom Arbeitskreis „1648 – Dialoge zum Frieden“/ Münster Marketing / Wissenschafts- und Friedensbüro in Kooperation mit dem Franz Hitze Haus durchgeführt. Anlass für die Exkursion bot das Europäische Kulturerbejahr 2018.


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