Berlin-Fahrt der Grundkurse Geschichte der Jahrgangsstufe 13

04. 04. 2009 00:00

Die bedeutendste Jahreszahl Berlins ist wohl 1989.
Die Entfernung Münster-Berlin beträgt ungefähr 470 Kilometer.
Die wichtigste aller Zahlen aber ist 4320. So viele und bestimmt noch mehr Kalorien verbrannten wir täglich auf unserer Berlin-Fahrt Ende März.


Zwei willige Geschichts-Grundkurse der 13, ihr engagierter Lehrer Herr Dr. Jung, eine liebenswürdige Frau Fels und der zwischen beiden Generationen vermittelnde Praktikant Herr Brombi, wir alle machten uns am 26. März zu einer dreitägigen Fahrt in Deutschlands wunderschönste Hauptstadt auf.

Natürlich/Zum Glück waren diese drei Tage geschichtlich-politisch motiviert.
Wir junges Pack, das, wenn überhaupt, dann bisher nur zum Feiern, Schlendern oder Shoppen in Berlin war, durfte eine ganz andere Seite Berlins kennen lernen. Ein Berlin, das fest mit der deutschen Vergangenheit verankert ist. Die Spuren dieser Vergangenheit fanden wir in der ganzen Stadt verstreut.

Den Anfang bildete ein Besuch des Stelen-Mahnmals, ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts. Natürlich kannten wir die Skulptur theoretisch schon. Aber schnell wurden dann doch eines klar: Fotos und Beschreibungen des Mahnmals waren nicht in der Lage gewesen, die Wirklichkeit nur annähernd zu beschreiben. Welch Stärke und zugleich Orientierungslosigkeit die Betonstelen ausstrahlten, erlebten die meisten von uns zum ersten Mal.

Aber schnell wurden wir wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Ein Abstecher in den Deutschen Bundestag. Auch hier gewann zunächst die Architektur der Regierungsgebäude den Kampf um unsere Aufmerksamkeit. Wir staunten über die enorme Größe des Reichstagsgebäudes und wurden nach ausführlichen Sicherheitskontrollen schließlich auch hineingelassen. Mit einem kleinen Schildchen versehen (wir hießen plötzlich alle „Gast“) fühlten wir uns wichtig und warteten auf den Abgeordneten Christoph Strässer. Ein echter Politiker zum Anfassen! Nach einem anregenden, ehrlichen und politisch konzentrierten Gespräch besuchten wir auch noch seinen Arbeitsplatz, den Bundestag. Als Besucher konnten wir fast eine ganze Stunde lang einer Plenarsitzung des Parlament beiwohnen. Nicht unbedingt die Themen (kostenfreie Servicehotline für Hartz-IV-Empfänger), sondern vielmehr die Politiker und das Geschehen selbst faszinierten uns.

Einen, im wahrsten Sinne des Wortes, abgerundeten Abend kreierte dann noch unser Gang in die Reichstagskuppel hinauf. Oben erwartete uns ein Atem raubender Ausblick über Berlin bei Nacht.
Schon am nächsten Tag zogen wir kleine Historiker weiter. Mit Tageskarten des BVG bewaffnet, zogen wir zum Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums und zugleich, aufgrund seiner historischen Bedeutung, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. In genau diesem Gebäude, so erfuhren wir bei der sehr interessanten Führung durch die Ausstellung, fand 65 Jahre zuvor das Attentat an Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg statt. Wir schritten erneut auf dem Boden der deutschen Geschichte.
Und wir schritten voran. Tief im Osten Berlins, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, trafen wir auf ein von außen sehr unscheinbares, graues Gebäude. Aber diese Unscheinbarkeit hatte das frühere Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen nach dem ersten Schritt über die Türschwelle verloren. Der Ex-Häftling Jürgen Breitbart erklärte und zeigte uns fast jeden Winkel und jedes Zimmer des riesigen Gebäudekomplexes.
Die Geschichte fesselte uns. Angesichts der aus heutiger Sicht unbegründeten Haftstrafen und der mitunter schrecklichen Foltermethoden, verschlug es uns die Sprache. Und trotzdem schafften wir es, Herrn Breitbart mit Fragen zu seiner Haftzeit zu löchern. Durch seine lockere Art und einen unvergleichlichen Witz nahm er uns die Hemmungen und gab uns gleichzeitig die Chance, ein wenig DDR-Geschichte hautnah zu erleben.
Im Gegensatz zu vielen Häftlingen in der Vergangenheit, konnten wir das Gelände danach einfach so verlassen. Was eine auf einmal so kostbar scheinende Freiheit.

Wir fuhren zurück zu unserer Herberge am Zoologischen Garten und waren, wie schon am Abend zuvor, als hilflose Fahrrad-Münsteraner, dem Nachtleben Berlins ausgeliefert. Der ein oder andere, so munkelte man sich, habe aber dennoch sehr viel Spaß im großen Berlin gehabt. Wir waren uns unserer Gegenwart doch allzu sehr bewusst.

Der letzte Tag brach an.
Noch einmal Geschichte im Schnelldurchlauf, und das sogar auf fünf Etagen. Im Deutschen Dom besuchten wir eine Ausstellung zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Mit den für das Zentralabitur mehr als hilfreichen Ausstellungskatalogen bepackt, verließen wir glücklichen Schüler eine Stunde später das Gebäude und machten uns bereit, unsere Stadt Berlin zu verlassen.

Einen Abschiedskaffee, eine Abschiedsfoto, ein Abschiedsaccessoire oder eine Abschiedsträne. Wir alle fanden einen Weg, diesen Abschied zu verarbeiten. Schließlich hieß es nur noch: zurück zum Bahnhof und dann zurück nach Hause.

In Münster angekommen, natürlich Regen, was eine Überraschung. Die Reise in die Vergangenheit war hiermit offiziell beendet. Hinter uns lag ein facettenreicher und spannender Besuch Berlins. Und, wer weiß, vielleicht wird auch der ein oder andere von uns in dieser Stadt einmal Geschichte schreiben. Wir sehen uns wieder ... in Berlin!


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