"Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor"

13. 03. 2017 11:11

Was verbirgt sich hinter diesem eigenwilligen Titel, den das Theaterstück trägt, welches Schüler/innen des Annette-Gymnasiums am 21.2.2017 in den Städtischen Bühnen besuchten und wie hat den Schüler/innen die Inszenierung gefallen? Lesen Sie hierzu die von einigen Kindern der Klasse 6e verfasste Rezension:

Einleitung:

Das Theaterstück „Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor“ basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Joke van Leeuwen. In dem Stück geht es um ein Kind – einen minderjährigen, unbegleiteten Flüchtling – dessen Name schwierig auszusprechen ist und der fremd klingt. Der Name enthält vier K`s und endet auf „toda“, so dass das Kind nur noch Toda gerufen wird.
Es bleibt offen, ob die Hauptfigur ein Mädchen oder ein Junge ist.

Inhalt:

Toda lebt bei ihrem Vater und ihrer Oma, als in ihrem Heimatland Krieg ausbricht. Todas Mutter hatte ihre Familie verlassen, als Toda noch ein Baby war und lebt seitdem in einem anderen Land.
Todas Vater muss seine Arbeit als Keks- und Tortenbäcker niederlegen, weil er als Soldat gegen „die anderen“, wie sie im Stück genannt werden, kämpfen muss. Er erklärt Toda, dass sie keine Angst um ihn haben muss, weil er ein Handbuch hat, in dem erklärt wird, wie er sich gut tarnen kann: als Busch zum Beispiel.


Als es im eigenen Land zu gefährlich wird, beschließt Todas Oma, dass ihre Enkelin zu ihrer Mutter ins Ausland flüchten soll. Toda packt nur das Nötigste in einen kleinen Rucksack und trägt eine Menge schöne Erinnerungen im Kopf mit sich.
Toda wird von einem Bus mitgenommen, in den nur Kinder einsteigen. Sie fahren bis zu einer Erstaufnahme an der Grenze, dort übernachten sie. Hier beginnt dann Todas aufregende, traurige und erschreckende Flucht, während der sie fast immer ganz auf sich allein gestellt ist.

Theaterbesuch:

Im Foyer des Theaters warten wir auf den Beginn der Vorstellung. Dort werden wir von vier Darstellern, die als Polizisten verkleidet sind, empfangen und hektisch in den Zuschauerraum getrieben. Dort werden wir kontrolliert und manche werden aufgefordert aufzustehen und sich einmal um die eigene Achse zu drehen. Andere Zuschauer, zum Beispiel unsere Lehrer, Herr Hennig und Frau Götz, müssen ihre Ausweise zeigen. Da die Polizisten aber in einer anderen Sprache mit uns sprechen, kann man gar nicht immer sofort verstehen, was sie meinen. Das hat uns verunsichert und irgendwie war man froh, als man saß und es losging. Dies alles sollte für uns darstellen, wie es ist, wenn man als Flüchtling zur Grenze kommt und einem die Grenzpolizei Anweisungen gibt, die man als Flüchtling natürlich nicht versteht, weil man die Sprache nicht kennt.
Als das Stück dann endlich beginnt, stellt sich heraus, dass die Hauptfigur abwechselnd von vier verschiedenen Schauspielern gespielt wird (Linn Sanders, Jasaman Roushanaei, Benedikt Thönes, Jonas Nondorf). Da es zwei Frauen und zwei Männer sind, können sich die Zuschauer dadurch selbst aussuchen, ob Toda für sie ein Junge oder ein Mädchen ist. Das finden die meisten von uns ziemlich gut, weil es uns im Theater oder auch in Büchern  wichtig ist, sich in eine Figur einzufühlen.
Im Flüchtlingsheim aufgenommen, kommen eine Mutter und ihr Kind auf Toda zu. Das Kind soll ihr einen Teddy schenken. Toda bedankt sich, aber die Mutter des Kindes findet, dass Toda das nicht von Herzen gemacht hat. Sie muss sich noch mal bedanken. Am Ende zwingt die Mutter ihr Kind, Toda zu beschimpfen: sie oder er soll dahin zurückgehen, wo sie/er hergekommen ist. Das war schlimm. Da haben wir uns gefragt, warum es solche Menschen gibt!

Toda wird von einem Schlepper mitgenommen, dem es nur ums Geld geht. Er nimmt sich das ganze Geld und lässt die Flüchtlinge alleine, weil es ihm egal ist, was mit ihnen passiert. Toda hat nicht genug Geld, also nimmt er ihr auch noch das Smartphone ab.

Auf der Flucht begegnet die Hauptfigur noch anderen Menschen: einem General im Ruhestand und seiner Frau, die sie/ihn bei sich aufnehmen wollen, sich aber gar nicht wirklich für Toda interessieren. Im Wald trifft Toda einen Kommandanten, der auch auf der Flucht ist, weil er nicht kommandieren kann. Dieser wird dann aber festgenommen und kann nicht mit Toda weiter fliehen.

Toll war die Kulisse: Sie war interessant, weil sie aus mehreren beweglichen, dreieckigen  Säulen bestand, die auf jeder Seite einen anderen Aufdruck hatten. Eine Seite war mit Tapeten bedruckt, auf der nächsten Seite waren Spiegel und auf der letzten Seite war ein Holzmuster. So wurde schnell aus einem Wohnzimmer die Villa des Generals oder aus einer Polizeistation ein Wald. Während im Hintergrund das Bühnenbild geändert wurde, haben die Darsteller vorne am Rand der Bühne vom Umbau abgelenkt. Zum Beispiel erklärte Toda dem Zuschauer, was sie in ihren Rucksack gesteckt hat und was sie auf die Flucht mitnehmen will.
Ein Darsteller hat mit einem Akkordeon in vielen Szenen begleitende Musik gemacht. Die klang meistens etwas traurig, so dass wir uns etwas bedrückt fühlten. Es waren meistens Lieder aus anderen Ländern, deren Texte wir nicht verstanden haben. Eine Mitschülerin hat uns erklärt, dass ein Lied auf Persisch gesungen wurde und von Müttern und Kindern handelte, die sich suchen.

Kritik:

Die Meinungen zum Stück gingen in unserer Klasse etwas auseinander. Keiner fand das Stück schlecht, aber einigen fehlte ein wenig Action. Andere fanden das überhaupt nicht und sind der Meinung, dass zwar keine Gewehre und Pistolen, kein Blut und Krieg gezeigt wird, dass es aber um subtile Gewalt geht, das heißt, dass sie nicht direkt gezeigt wurde, aber in der Grausamkeit einzelner Szenen drin steckte. Viele fanden die Szene mit dem Teddybären am schlimmsten, weil Toda diesen gar nicht haben will, die Mutter des Kindes  aber mehr Dankbarkeit erwartet für einen benutzten, alten Teddy.

Schlimm empfanden wir auch die Darstellung mit dem Schlepper, der Toda alles wegnimmt und kein Mitleid hat.
Das Ende des Stückes ist offen. Ehrlich gesagt gibt es zwei Abschlüsse. Beim ersten wird gezeigt, wie Toda von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsunterkunft geschoben wird, aber schließlich ihre Mutter findet. Happy End?
Beim „zweiten Ende“ erzählen die Schauspieler selbst, ihre eigene Geschichte: warum auch sie geflohen sind und warum wir alle ein bisschen Toda sind oder sein können. Das war überraschend, aber gut.

Dass Toda von vier verschiedenen Darstellern gespielt wurde, fanden die meisten aus der Klasse spannend, aber auch verwirrend. Einiges haben wir erst nachher verstanden, als wir es mit unserer Deutschlehrerin Frau Götz besprochen haben. Wie schon im Titel des Stückes erwähnt, wird der Hauptfigur ihr wirklicher Name „weggenommen“ und zwar, weil die Grenzpolizisten den Namen nicht aussprechen können. Das fanden wir furchtbar! Toda ist nur die Abkürzung oder Verkürzung ihres richtigen Namens, den man die ganze Zeit nicht erfährt. Dass der richtige Name gar nicht genannt wird, dass man ihm keine Chance gibt, halten wir für falsch. In unserer Welt hat jeder einen Namen und in Todas früherem Leben hatte sie den auch, so dass zu Beginn des Stückes zumindest ihr Vater sie mit ihrem Namen hätte ansprechen können. Toll war, dass Toda trotz der vielen traurigen Erfahrungen, die sie macht, nicht den Lebensmut verliert.

Insgesamt geben wir dem Stück vier von fünf Sternen und empfehlen es weiter, weil wir nun besser verstehen können, wie es, ist auf der Flucht zu sein und seine Heimat zu verlassen und so eine große Flucht auf sich zu nehmen. Flüchtende verlassen ihre Heimat nicht freiwillig. Außerdem ist das Thema sehr aktuell und daher sehenswert.

Timo Theismann, Len Vollmari, Naika Thöne, Claas Christensen, Emilia Berger, Mareen Soll, Marieke Kiefert aus der Klasse 6e


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