Das Annette-Gymnasium trauert um einen "bescheidenen Helden" aus Münster

02. 11. 2016 09:08

Am 24. Oktober verstarb der gebürtige Münsteraner, Überlebende des Holocaust und Zeitzeuge Hans Kaufmann im schwedischen Stockholm, wo er mit seiner Frau Anna, seinen zwei Söhnen und vier Enkelkindern lebte. Wer das Glück hatte, Hans Kaufmann persönlich kennen zu lernen, konnte nicht anders, als diesen Menschen zu bewundern, denn sowohl er als auch seine Frau legten unermüdlich Zeugnis ab von der Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Mitmenschen während der NS-Zeit. Er klagte niemals an, berichtete stets sachlich und ruhig.

Ihm und seiner Frau Anna war immer an persönlichen Begegnungen und Gesprächen gelegen. Besonders wichtig war ihm dabei zu betonen: „Das Schlimmste habe ich selbst nicht erlebt!“
Es verwundert daher nicht, dass die Annette-Schülerin Clara Determann (damals in der 7. Klasse) Hans Kaufman zu ihrem persönlichen Helden deklarierte und mit ihrer Arbeit „Hans Kaufmann – ein bescheidener Held“ einen Landespreis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewann.


Seine Eltern hatten Hans Kaufmann als Kind zusammen mit seiner Schwester nach der November-Pogromnacht 1938 ins sichere Ausland geschickt. Über Dänemark gelang es Hans Kaufmann während des Krieges und der deutschen Besatzungszeit, ins neutrale Schweden zu entkommen. Die Eltern selbst verließen Münster allerdings nicht, unter anderen, um anderen jüdischen Familien weiterhin bei der Ausreise behilflich sein zu können. So gerieten Lucie und Ludwig Kaufmann weiter ins Visier der Verfolgung und wurden am 13. Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert.

Hans` Vater  –  ein angesehener Rechtsanwalt, dem die Nationalsozialisten 1933 sein Notariat genommen hatten  –  gilt seither als verschollen. Er starb vermutlich in Auschwitz, während die Mutter die Befreiung des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig schwer gezeichnet überlebt hatte. Erst als junger Erwachsener konnte Hans Kaufmann sie in Schweden wiedertreffen.

Wir danken diesem großartigen Mann dafür, dass er trotz seines ergreifenden Schicksals Münster nicht den Rücken gekehrt, sondern in eine hoffnungsvolle Zukunft investiert hat, indem er uns an seinen Erinnerungen und Erfahrungen hat teilhaben lassen. In tiefer Verbundenheit gedenken wir diesem beeindruckenden Mann und seiner Familie.


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