„Unter Bauern“ - Schülergruppe besucht Filmdreh

01. 10. 2008 00:23

Auf dem ehemaligen Zechengelände in Oer-Erkenschwick steht eine Karawane von weißen Trucks, dazwischen Tische, Stühle, ein kleiner Wagen mit einer Getränke- und Snackbar. An den Wagen befestigte Schilder tragen die Aufschriften „Maske“, „Garderobe“, „Requisiten“ oder auch „Statistentoiletten“. Am Rand eines Weges sind Autos aus den Dreißigerjahren abgestellt. Auch ein Motorrad, abgenutzte Kisten, Kartoffelsäcke und Koffer stehen herum.


Wir befinden uns am Filmset für die Dreharbeiten zum Kinofilm „Unter Bauern“, der voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres seine Premiere feiern wird. Doch daran ist zunächst noch gar nicht zu denken: Auf dem Gelände herrscht am frühen Vormittag schon reges Treiben; an Mädchen mit langen Zöpfen und braunen Mänteln mit Judenstern schieben sich junge Tontechniker in Turnschuhen vorbei, die hektisch Dinge in ihre Walkie-Talkies sprechen.

Das Drehbuch zum Film „Unter Bauern“ basiert auf der Geschichte von Marga Spiegel. Diese heute 95-jährige Jüdin hat den nationalsozialistischen Antisemitismus gemeinsam mit ihrer Tochter Karin und ihrem Mann Siegmund Spiegel überlebt. Von 1943-1945 konnte sich die Familie auf insgesamt fünf Münsterländer Bauernhöfen verstecken; die Bauern riskierten mit ihrer Hilfsbereitschaft ihr Leben.

Diese Bauern waren es, auf die wir, eine Gruppe Jugendlicher von 17 bis 19 Jahren, im Winter 2006 aufmerksam wurden. Im Rahmen eines Israel-Austauschs mit Herrn Schmidt-Ehmcke (bis 2008 Religionslehrer am Annettegymnasium) und Frau Mönkediek (Referendarin für Deutsch und katholische Religion) wollten wir an einem von der „Stiftung für Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ geförderten internationalen Geschichtsprojekt unter der Fragestellung „Welche Männer und Frauen haben sich trotz Unterdrückung und Diktatur für Frieden und Menschlichkeit eingesetzt?“ teilnehmen.

Frau Spiegel hat ihre Erinnerungen an die Zeit während ihres Versteckens in dem Buch „Retter in der Nacht“ niedergeschrieben. Wir haben uns zunächst daran orientiert, dann aber bald auch Marga Spiegel persönlich getroffen sowie Angehörige und Nachfahren der „Retterfamilien“. Teile unserer Gespräche konnten wir auf Tonband aufnehmen, später haben wir sie in unsere Radiosendung eingefügt, die wir im Bürgerfunk der VHS erstellten und die im Januar auf Radio AM ausgestrahlt wurde. Zusätzlich richteten wir uns eine Website ein: Auf www.muensterishon.de stellen wir uns, unser Projekt zu den Rettern und natürlich Eindrücke des Austausches vor. Während des Austausches haben wir mit unseren israelischen Partnern weiter geforscht, hauptsächlich fragten wir uns: Was unterschied diese fünf Bauernfamilien von jenen verängstigten, manipulierten oder schließlich doch unwissenden Mitläufern, die im „Dritten Reich“ doch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bildeten?

Obwohl wir keine Pauschal-Antwort auf diese schwierige Frage bekommen konnten, haben diese mutigen

Bauern mit ihrer unerschütterlichen Gutherzigkeit und ihrem Festhalten an der eigenen Überzeugung von „Richtigkeit“ auf uns mächtig Eindruck gemacht. Umso mehr haben wir uns darüber gefreut, dass „unsere kleine Geschichte“ jetzt doch noch den Weg in die Kinos findet.

Am Tag unseres Drehbesuchs steht für das Filmteam die Produktion einer „Deportationsszene“ an, die Siegmund Spiegel aus der Entfernung beobachtet. Uns wird ein wenig erklärt, der Produzent persönlich nimmt sich gern ein paar Minuten Zeit für uns.

Eine Frau vom Filmset nimmt unser Angebot, ihr zu helfen, sofort erleichtert an und wir schleppen nun stolz Holzkisten, Strohsäcke, alte Fahrräder, Koffer und einen ganz besonders schönen alten Kinderwagen um das Gebäude. Als ich mich einmal umdrehe, sehe ich mich plötzlich „SS-Männern“ gegenüber. Schock! Selbst heute, an einem sonnigen Filmset, über sechzig Jahre „danach“. Wenigstens lachen diese Statisten von der örtlichen Polizei und bestätigen mir doch noch, was ich ja eigentlich weiß: Es ist nur ein Film…!


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