Ein „Botschafter des Friedens und der Versöhnung“: Sally Perel

20. 03. 2014 20:42

Sally Perel war am 19. März 2014 als Zeitzeuge am Annette-Gymnasium zu Gast. Schulleiterin Jutta Rutenbeck begrüßte ihn herzlich und drückte – wohl im Namen aller – ihre große Anerkennung für ihn aus: Vier Tage – acht Schulen, das sei bemerkenswert. In ihrer Rolle als Geschichtslehrerin wies sie auch auf die Bedeutung seiner Zeitzeugenarbeit hin und dankte anschließend Deutschlehrerin Julia Götz für die Inszenierung der Autobiographie Sally Perels.  Am 25. Juni wird die Premiere stattfinden,  am 26. und 27. Juni folgen weitere Abendvorstellungen der Theater-AG des Annette-Gymnasiums.

Was folgte, war ein beeindruckender Zeitzeugenbericht, der seine Wirkung bei den Schülerinnen und Schülern des Annette-Gymnasiums nicht verfehlt haben dürfte. Die dichte Atmosphäre der Veranstaltung und die Wirkung  dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit können hier sicher nicht in vollem Umfang gespiegelt werden. Sally Perel formulierte jedoch einen eindeutigen Auftrag an seine Zuhörer: Sein Lebensbericht soll nicht in aller Stille in deren Innerem bewegt, sondern weiter getragen werden. Sally Perel will vielmehr „neue Zeitzeugen hinterlassen“, die für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit eintreten.


Sally Perel sieht sich als „Geschichtslehrer“ und „Zeitzeuge“ zugleich. „Wer die Vergan-genheit infrage stellt, fasst in der Gegenwart keinen Boden“, so lautete einer seiner Kernsätze zu Beginn. Die Vergangenheit, die er vor allem meinte, verband Sally Perel mit dem Namen „Auschwitz“. Schnell machte er klar, wofür dieser Name steht, nämlich für den „Selbstmord“ der deutschen Kultur, für die „Apokalypse schlechthin“ und für den „Schandfleck der deutschen Geschichte“. Bekräftigend sagte er: „Der gesetzlich legitimiete Völkermord ist einmalig in der Geschichte.“ Er rief dazu auf, einmal im Leben Auschwitz zu besuchen, nannte dies „eine menschliche Pflicht“ und fügte bezogen auf sich selbst hinzu: „ Solange mich meine Füße tragen, werde ich darüber berichten“.

Er selbst habe den Völkermord an den Juden als Hitlerjunge erlebt, quasi „versteckt unter der Haut der Täter“. Sally Perel hatte vier Jahre  - als Hitlerjunge getarnt – die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten überlebt. Doch was bedeuten diese vier Jahre für ihn? Sally Perels Antwort beeindruckte jeden: „Vier Jahr bedeuten vier Ewigkeiten, jede Stunde bedeutet eine Ewigkeit für sich!“ Er habe eine Erziehung zum Menschenhass über sich ergehen lassen müssen.

Sehr eindrucksvoll und ehrlich machte Sally Perel deutlich, dass seine Seele in zwei Hälften gespalten worden sei. Er sei einerseits Jude gewesen und geblieben, andererseits auch Hitlerjunge geworden, der gelernt habe, entsprechend der Rassenideologie zu denken und zu handeln.  Ehrlich gab er zu: Diese Prägung sei bis heute in seinem Inneren lebendig, bis heute müsse er sich damit auseinandersetzen und fühle die innere Spaltung und Verletzung.

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass viele Jugendliche der damaligen Zeit die Ideologie so bereitwillig annahmen? Zu eingängig, zu geschickt und zu intensiv sei der menschenverachtende Rassismus vermittelt worden und zu gering sei das Wissen und die Widerstandskraft der Jugendlichen gewesen, so Perel. Selbst er, Sohn eines streng gläubigen Rabbiners, sei davon infiziert worden. Deshalb sprach er auch von der menschenverachtenden Ideologie als einem „Gift“, das bis heute auch in ihm wirke.  Das gelte auch für die Gesellschaft insgesamt: Hitlerdeutschland sei zwar militärisch besiegt worden, doch der „Ungeist“ dieser Zeit sei noch lange nicht verschwunden. Das gelte bis zum heutigen Tag.

Sally Perels Bericht lebte vor allem durch die Schilderung seiner persönlichen Erlebnisse. Bei dem endgültigen Abschied von seinen Eltern, die ihn vor dem Ghetto bewahren wollten, habe sein Vater gesagt: „Sally, vergiss nie, wer du bist!“ Seine Mutter verabschiedete sich mit den Worten: „Sally, du sollst leben!“ Beide Sätze hätten eine magische Kraft in ihm entfaltet und ihm geholfen zu überleben. Von Deutschland sprach er dennoch als seinem „Mutterland“, ihm sei er emotional verbunden, hier lägen seine Wurzeln. Der Staat  Israel hingegen sei sein „Vaterland“,  es stehe für sein Recht auf ein gleichberechtigtes Leben.

Sally Perel trat nicht nur als Lehrer  und Zeitzeuge auf, sondern vor allem als Botschafter: „Jedes Menschenleben ist heilig“, sagte er. Niemals dürfe es für fremde Zwecke geopfert werden, davon gebe es keine Ausnahme. Seine Zuhörer rief er dazu auf,  kritisch zu sein und sich niemals für eine Ideologie missbrauchen zu lassen.

Der starke Applaus nach seinem Lebensbericht, vor allem aber die gebannte Aufmerk-samkeit während seines Vortrages zeigte: Sally Perel hat hier und heute sein Ziel erreicht. Die Aufführungen der Theater-AG des Annette-Gymnasiums dürften nach diesem Erlebnis mit Spannung erwartet werden.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei dem „"Zentrum für Refraktive Chirurgie" für die großzügige Spende, die den Zeitzeugenbesuch möglich gemacht hat. Ebenso danken wir dem Förderverein unserer Schule.


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