Mein Praktikum in England

02. 02. 2014 17:50

Jedes Jahr im Januar nach den letzten Klausuren des ersten Halbjahres fahren einige Schülerinnen und Schülern unserer Jahrgangsstufen 10 und 11 nach England, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Dieses Jahr hat mit Annemarie Jöne zum ersten Mal eine blinde Schülerin unserer Schule am "work experience" teilgenommen. Hier folgt ihr Bericht:

"Im Januar habe ich für eine Woche ein Praktikum an der Southend High School for Girls in England gemacht, einem Mädchengymnasium in der Nähe von London. Besonders wichtig war dieser Auslandsaufenthalt für mich, weil ich, um das Sprachzertifikat Certilingua zu bekommen, eine Arbeit über meine Erfahrungen dort schreiben muss. Ich konnte in dieser Woche eine Menge lernen und viele Erfahrungen sammeln.


Ich war schon öfter für eine gewisse Zeit alleine von zu Hause weg, doch dies war das erste Mal für mich, alleine in einem fremden Land zu sein. Nein, allein war ich nicht wirklich, denn für Blinde wie mich ist es meist schwierig, sich ohne Hilfe in einer unbekannten Umgebung zurechtzufinden. Daher wurde ich von Judith Schulz, einer Lehrerin der Iris-Schule für Blinde und Sehbehinderte, begleitet. Wir kamen für die Woche gemeinsam in einer Gastfamilie unter, die uns wirklich sehr herzlich empfing und alles tat, um uns den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten und uns möglichst viel von der Kultur zu zeigen. Ich habe mich sehr gut mit meinen beiden Gastschwestern verstanden und die Erfahrung, eine Woche lang in einer Familie mit einer ganz anderen Sprache, anderen Bräuchen und vor allem einer anderen Esskultur zu leben, war sehr aufregend. So viele Eindrücke hätte man nie bekommen, wenn man einfach im Hotel übernachtet hätte. Die Kommunikation in der Familie und der Schule lief fast problemlos und wann immer ich ein Problem oder eine Frage hatte, gab es Menschen, die mir gerne geholfen haben. Natürlich braucht man am Anfang immer ein bisschen, um sich in die Sprache einzufinden, doch je länger man da ist, desto einfacher geht es!

Auch in der Schule habe ich mich wirklich sehr wohl gefühlt. Zwar war es für mich unmöglich, mir innerhalb einer Woche alle Wege im Gebäude einzuprägen, aber ich konnte mir in dieser Zeit doch einen sehr guten Einblick in die Unterschiede zu deutschen Schulen, die teilweise sehr beeindruckend waren, verschaffen. Die Disziplin und Ruhe, die in der Schule herrschte, und die fortschrittliche technische Ausstattung werden mir vermutlich am längsten in Erinnerung bleiben. Die Ordnung und Struktur machen es nicht nur blinden Menschen leichter, sich besser zurechtzufinden… Die Lehrer gaben sich große Mühe, mir möglichst viele Schulstunden zu zeigen, auch Fächer, die man in Deutschland nicht unterrichtet, wie zum Beispiel Textilunterricht, Psychologie oder Berufsplanung. Am interessantesten fand ich es, mitzuerleben, wie die Schüler in England Deutsch als Fremdsprache lernen. So wurde die Schulwoche für mich sehr spannend und vor allem eine gute Gelegenheit, mein Englisch aufzupolieren. Und nach einem anstrengenden Tag im vollen und lauten London zum Abschluss der Woche war ich wirklich traurig, als es dann wieder zurück nach Hause ging.

Ich würde jedem, der sich noch unsicher ist, auf jeden Fall empfehlen, einen Auslandsaufenthalt zu machen und dabei in einer Gastfamilie zu wohnen, da man nicht nur seine Sprachkenntnisse verbessert, sondern auch viele Kontakte knüpfen, andere Menschen treffen und Eindrücke sammeln kann, die man in einem normalen Sommerurlaub vermutlich nicht bekommen würde. Vor meiner Woche in England hatte ich auch viele Bedenken, ob ich alles verstehen würde, ob ich mich dort zurechtfinden und mit der Familie verstehen würde. Am schönsten war für mich das Gefühl, als sich herausgestellt hat, dass diese Bedenken völlig umsonst waren."


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