Beindruckender und bewegender Besuch des Bundespräsidenten

01. 12. 2013 00:00

Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebenspartnerin Daniela Schadt statteten dem Annette-Gymnasium am 28. November 2013 einen bemerkenswerten Besuch ab. In ihrer Begleitung waren auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann und Oberbürgermeister Markus Lewe.

An dieser Stelle haben wir schon in früheren Beiträgen sehr ausführlich über den anstehenden Besuch und die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ inhaltlich berichtet. Heute geht es darum, den sehr persönlichen Eindruck zu umreißen, den der Bundespräsident bei seinen Gastgebern hinterlassen hat. Dieser wird natürlich bei jedem unterschiedlich sein, dennoch – das zeigten die Gespräche über unsere Wahrnehmung  nach dem Besuch – waren wir alle uns einig über die Wirkung dieser besonderen Persönlichkeit.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt ließ sich Joachim Gauck zunächst durch die Ausstellung führen. Dass dies für ihn kein Pflichtprogramm war, konnte man deutlich spüren. Interessiert und zugewandt hörte er den Ausführungen der Ausstellungmacher zu.


Seine berechtigte Vermutung angesichts der Wissenswand über den Anteil der Muslime in Deutschland, dass Vorurteile wohl umso größer seien, je weniger Muslime in einer Gegend wohnten, sollte in der sehr engagiert geführten Gesprächsrunde am Ende des Rundgangs noch wieder aufgegriffen werden. Man spürte: Hier hatte man einen Präsidenten vor sich, dem gegenseitiges Verständnis und das Miteinander unterschiedlicher Menschen ein persönliches Anliegen ist. Er schaffte es immer wieder, das Thema der Ausstellung durch seine ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse transparent und nachvollziehbar zu machen.

Als es zum Beispiel um unterschiedliche Wahrnehmungen und um das „persönliche Geschichtsbuch“ eines jeden Menschen ging, überraschte er viele in der Runde. Denn natürlich verwiesen die Schüler - gefragt nach einem prägenden Ereignis aus den Jahren 2010 bis 2013 - auf den GAU in Fukushima aus dem Jahr 2011. Joachim Gauck aber verwies auf eine ganz andere Katastrophe, die seine Generation geprägt hat, nämlich auf die Kernschmelze von Tschernobyl im Jahre 1986. Besser hätte man nicht lernen können, dass tatsächlich jeder Mensch, abhängig von seinen Prägungen, eine andere Wahrnehmung von Geschichte hat.

Aber wie seien seine Reden und Wortbeiträge nun einzuschätzen, lautete eine Frage. Antworte er eher als Bundepräsident oder als Privatmann? Auch hier ließ Joachim Gauck keine Unklarheiten aufkommen. Das Amt sei wichtiger und bedeutender als der Privatmann Gauck. Er habe dem Gemeinwohl zu dienen und diese Pflicht bringe manchmal auch Einschränkungen mit sich, die es zu akzeptieren gelte.
Besonders überzeugend waren auch die Antworten des Bundespräsidenten zum Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft in Deutschland. Dass auch ihm zunächst ein Gefühl der Fremdheit eigen sei, wenn er einer Muslima mit Kopftuch begegne, gab er unumwunden zu. Er gehe aber darum, den Menschen ins Gesicht zu sehen, neugierig auf die Persönlichkeit und die Geschichte zu sein, die jeden Menschen ausmache. Gleichzeitig warnte er in einem anderen Beitrag vor der trügerischen Hoffnung, irgendwann könne man den Zustand allumfassender Glückseligkeit in der gesamten Gesellschaft herstellen. Extremisten werde es immer geben, es komme jedoch darauf an, Extreme zu benennen, sie zu identifizieren, sie  - wenn nötig -  bloßzustellen- und sie schließlich auf der Grundlage des Rechts zu verfolgen. Aber auch eine Belehrung und ein Wandel extremer Positionen sei möglich; dafür gelte es einzutreten, gab er zu bedenken.

Bundespräsident Gauck trat als überzeugender Botschafter der Versöhnung auf. Er ist einer, der zuhören kann und der seine Überzeugungen lebt. „Deutschland ist eine Heimat der Verschiedenen“, lautete sein Fazit. Alle, die heute dabei waren, egal welcher Herkunft,  Religion,  Position oder welchen Alters, spürten die Kraft und Tragweite dieser Worte. Die Ausstellung „Muslime in Deutschland“ hat der Bundespräsident heute mit Leben erfüllt.

Die gesamte Schulgemeinde bedankt sich sehr herzlich für diesen beeindruckenden Besuch.


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