Schüler erforschen Geschichte in Lublin

21. 01. 2013 21:23

Annette-Gymnasiasten erproben wissenschaftliche Standards / Ausstellung in der Villa ten Hompel

Wissenschaftliches Arbeiten beginnt eigentlich erst an der Hochschule - für Oberstufenschüler, die nach dem Abitur studieren wollen. Die Sekundarstufe II bereitet darauf vor. Am Annette-Gymnasium haben sich schon jetzt Schüler intensiv mit wissenschaftlichen Standards beschäftigt.


In den Blick genommen wurde die Geschichte Lublins, Münsters Partnerstadt im östlichen Polen, vom Zweiten Weltkrieg bis heute.  Die Arbeiten der 17 Mädchen und Jungen aus den Stufen 12 und 13 nahmen am Mittwoch sogar den Platz der aktuellen Ausstellung im Geschichtsort Villa ten Hompel ein. Thema war nämlich auch die Verfolgung von Menschen durch das Dritte Reich in Polen während der Besatzungszeit.
Die Arbeiten seien geeignet, den Platz zumindest für einen Abend einzunehmen, urteilte Christoph Spieker, Leiter des Dokumentationszentrums. "Weil sie neue Erkenntnisse mitbringt." Erstaunlich intensiv hatte sich zum Beispiel Friedrich Weber-Steinhaus mit seinem Thema beschäftigt: „Antisemitismus - eine kritische Theorie über Ordnungspolizeibatallione". Wissenschaftlichen Methoden spielten für ihn eine fast genau so große Rolle wie die Inhalte. Der Schüler hatte Interviews geführt, Archive und den Internationalen Suchdienst (ITS) bemüht und soziologische Literatur zitiert. Ergebnis war, dass deutsche „Ordnungspolizisten" in Polen zum Teil durchaus die Möglichkeit gehabt hätten, Schießbefehle zu verweigern.
"Wir waren bloß Lernbegleitet", sagt Lehrer Dr. Wolfhart Beck vom Gymnasium. Der Geschichtslehrer vermittelte zusammen mit Kollegin Kim Keen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. "Schüler sind dann zu uns gekommen, wenn sie weitere Hilfe brauchten", so Keen. Das Projekt lief einmal wöchentlich über 90 Minuten. Hinzu kam ein sechstägiger Besuch Lublins im Oktober. Weitere Themen der Schüler waren unter anderem die „Freihandelszone Lublin" und ein Vergleich des polnischen und des deutschen Schulsystems. Die Arbeiten sollen noch einmal beim Tag der offenen Tür der Schule am 24. Januar (15 bis 18 Uhr) gezeigt werden.


-klm-
WN-Artikel 18.1.2013


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