Jeg er i vakre Norge - Ich bin grade im schönen Norwegen

21. 09. 2011 21:42

Vom 10.09. bis zum 17.09.2011 machten wir uns auf in den „hohen Norden“ – Norwegen, wir kommen! Acht Schülerinnen und ein Schüler aus der Jahrgangsstufe 13, begleitet von  Frau Walter und Herrn Kaiser, nahmen zwölf Stunden Busfahrt und darauffolgend drei Stunden Fähre auf sich, um in das Land der Elche zu gelangen.

 


Noch hatten wir keine Informationen, wer unsere Austauschpartner und deren Familien sein würden. Daher waren wohl beide Gruppen, die Norweger und die Deutschen, bei unserer Ankunft gleichermaßen gespannt und aufgeregt. Alles vollkommen grundlos – die Begrüßung durch unsere Gastschüler war sehr herzlich, und ein Stück norwegische Schokolade lockerte das erste Zusammentreffen noch einmal mehr auf. Untergebracht waren wir teils in Kristiansand, der Partnerstadt von Münster, teils in Mandal und eine Schülerin sollte die acht Tage in Marnadal wohnen. Ich selbst wohnte mit zwei anderen im schönen Mandal, was mit etwa 14.000 Einwohnern nicht wirklich groß ist. Schon am ersten Abend trafen wir uns bei meiner Austauschschülerin mit den anderen aus Mandal, und auch Freunde von unseren Gastgebern waren da, um mit uns Taccos zu bereiten und um uns kennen zu lernen.

Am Sonntag hatten wir kein offizielles Programm; der Tag sollte zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Erkunden der Umgebung genutzt werden. Einige von uns Deutschen wanderten oder fischten, denn die Natur in Norwegen ist unglaublich! Ganz im Gegensatz zu Deutschland bietet Norwegen mit seinem Meer, den Wäldern und seinen Bergen eine Weite an, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte. Da Mandal einen der schönsten Strände Norwegens besitzt, waren wir Münsteraner nicht mehr zu halten und wollten den größten Wildstrand Südnorwegens sehen. Was wir zu sehen bekamen, ist kaum zu beschreiben und wir fühlten uns unfassbar frei und die Vorfreude auf die kommende Woche wuchs mit jeder Minute.
Anfang der Woche hieß es dann früh aufstehen, denn schon am Montagvormittag sollten wir in Kristiansand die KKG (Kristiansand katedralskole Gimle) besuchen und auch eine Führung bekommen. Die Schule, nur bestehend aus der norwegischen Oberstufe, also den Klassen elf bis dreizehn, hat in etwa 1.300 Schülerinnen und Schüler und ist somit die größte Schule in Kristiansand. Alles im Inneren ist sehr modern eingerichtet und auch die Technik wird sehr viel intensiver genutzt als bei uns. Neben einer sehr alten Büchersammlung wurden uns auch diverse Bilder gezeigt, die überall im Gebäude verteilt sind. Bei diesen handelt es sich um Werke, die ein ehemaliger Schüler zu einer  bedeutenden Kunstsammlung zusammengestellt hat. Sie wird auch an Museen in und außerhalb von Norwegen verliehen.

Ziemlich beeindruckt verließen wir die Schule nahe des Stadtzentrums, wo wir eine Stadtführung bekamen. Kristiansand ist mit etwa 80.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt in ganz Norwegen – wobei diese Zahl in Deutschland grade der einer Kleinstadt entspricht.
Die Stadtwanderung konnten wir leider aufgrund der Wetterverhältnisse nicht voll genießen, und auch die anschließende freie Zeit zum „Shoppen“ hat kaum jemand genutzt.

Am Abend saßen die Leute aus Mandal wieder zusammen, lachten, kochten, lernten voneinander Wörter und sahen einen Film über R.U.S.S., das norwegische Abitur, und die Feiern, die schon vier Wochen vor den eigentlichen Prüfungen beginnen. Insgesamt ist das norwegische Schulsystem in einigen Bereichen anders als in Deutschland.
Bis zur achten Klasse gibt es weder Noten noch Beurteilungen, wobei das Notensystem sich auch in die Noten eins bis sechs gliedert. Niemand kann sitzen bleiben und für die Oberstufe gibt es eigene Schulen.

Am Dienstag besuchten wir die Universität, ganz in der Nähe der KKG. Etwa 8.000 Studenten studieren hier. Zunächst saßen wir in einer Literaturvorlesung, in der die Gedichte „Zwei Segel“ (Conrad Ferdinand Meyer) und „Der Panther“ (Rainer Maria Rilke) besprochen und analysiert wurden. Es folgte eine Pause in der Mensa, in der gerade das Jubiläum der Universität gefeiert wurde. So bekamen wir überraschend eine warme Mahlzeit und ein Getränk umsonst, worüber wir uns besonders freuten, denn in Norwegen sind die Lebensmittelpreise unfassbar hoch für einen Mitteleuropäer. Die meisten Dinge kosten drei- bis fünfmal soviel wie bei uns, z.B. bezahlt man für einen Kaffee in einem Café etwa 45 Kronen, was etwa 6,40 Euro entspricht.
Diese Tatsache ließ uns die ganze Woche immer wieder schlucken und Paula traf es genau mit ihrer Aussage: „Eine Cola ist hier so teuer wie bei uns ein Kinobesuch.“

Es folgte eine Stunde „Praktisches Deutsch“, in der wir die Gelegenheit hatten, norwegischen Studenten unsere wunderschöne Heimatstadt zu präsentieren, und diese anschließend Zeit hatten nachzufragen. Unser Vortrag schien ziemlich erfolgreich, denn es kam die Frage einer Studentin, warum denn die anstehende Kursfahrt im Februar 2012 nach Kiel und nicht nach Münster geplant sei. Der Dozent zeigte uns auch einen Film „Two and two“, der vor einigen Jahren gedreht worden war. Inhaltlich geht es um zwei Münsteraner Studenten, die zwei Semester nach Kristiansand zu einem Auslandsstudium aufbrechen und die ihre Eindrücke schildern. Im Gegenzug werden auch zwei Studenten aus Kristiansand mit der Kamera begleitet, die für denselben Zeitraum in unsere Stadt kommen, um ihren weiteren Bildungsweg zu beschreiten.
Nachdem wir den halben Tag in der Uni verbracht hatten, fuhren wir zusammen mit unseren Austauschschülern in das Einkaufszentrum „Sørlandssenteret“. Dort trafen Maike und ich unsere „alten“ Austauschschülerinnern Emilie und Ina, die uns im Februar besucht hatten.  Dass unser letztes Zusammentreffen über ein halbes Jahr her war, war nicht zu spüren, und wir schwärmten nur so von der Stadt und der umliegenden Landschaft.

Mittwochmorgen besichtigten wir die „Oddernes Kirche“, die sich gegenüber der KKG befindet. Die Gotteshäuser wirken in Norwegen wie riesige Wohnzimmer, da sich im Inneren Teppiche, Kronleuchter und viel verarbeitetes Holz befindet. Nach einigen Erläuterungen zu der Bedeutung der Religion und dem mehrheitlich protestantischen Glauben konnten wir in der KKG am Deutschunterricht der Stufen 11 und 12 teilnehmen. Ganz wie unsere Austauschschüler sprachen auch hier die Schüler überwiegend sehr gutes Deutsch, und es fiel uns leicht mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Lehrer gaben die Aufgabe, uns auszufragen, nach Namen, Alter, Hobbys und ähnlichem.
Wir durften aber auch selber Fragen stellen, beispielsweise wollten wir wissen, wer schon einmal in Deutschland gewesen war, welche Assoziationen die Norweger haben und wer von ihnen Münster kannte. Besonders die Lehrer interessierten sich überaus für unser Schul- und Bildungssystem, was manchmal gar nicht so leicht zu erklären war.

Für den Nachmittag war eine Bootstour, teilweise auf dem offenen Meer in Lillesand, angedacht, die durch einen wolkenlosen blauen Himmel unvergesslich wurde. Mittlerweile ist Lillesand ein Ort für Sommerhäuser, die alle direkt auf Felsen am und im Meer liegen.  Nach etwa zwei Stunden hatte jeder von uns mehr als nur ein Foto gemacht und wir fuhren zurück in unsere Gastfamilien.

Am Donnerstag hatten wir Schülerinnen aus Mandal und Marnadal es gut getroffen: Wir trafen uns nicht in der KKG, sondern in der weiterführenden Schule in Mandal. Somit ersparten wir uns unsere morgendliche Stunde Busfahrt nach Kristiansand. Von hier aus, nach einer kurzen Schulführung von Schülerinnen der Deutschkurse, ging es los auf die Halbinsel Lista in Südwestnorwegen. Zunächst hielten wir am Leuchtturm an, in dessen unmittelbarer Nähe sich ein  unfassbar schöner Steinstrand befand. Weiter ging es in ein Museum über einen Stützpunkt von deutschen Soldaten in der Besatzungszeit. Dies war überaus spannend, da wir, ganz anders als in Deutschland, in die Duschräume und die Aufenthaltsräume durften und uns wirklich „mittendrin“ fühlten. Am Ende der Führung bekamen wir einen Stoffelch geschenkt, der unser Maskottchen wurde und den wir liebevoll „Inge“ (nach unserem Guide) tauften.
Erstaunlich und erschreckend ist, dass uns auch in Norwegen der Nationalsozialismus immer noch nachhängt. Sei es in den ersten Assoziationen zu Deutschland von Schülern, Kunstgemälden oder in den Museumsführungen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland Norwegens Vorbild und „Großer Bruder“ – was sich radikal änderte, als die Deutschen Skandinavien besetzten und die Norweger Demütigungen ertragen mussten. Es gilt, weiter an dieser Beziehung zu arbeiten, und dieser Austausch ist meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt.

Wir blieben nach der Führung auf Lista und grillten im strahlenden Sonnenschein. Eva, die norwegische Lehrerin und Organisatorin, hatte zusammen mit unseren Lehrern eingekauft, und wir feierten ein wahres Grillfest. Gesättigt fuhren wir, im Zeitplan ein wenig im Verzug, noch zu einem Sandstrand ganz in der Nähe. Obwohl das Wetter optimal war, blies der Wind doch recht heftig über die Dünen. Für Malte, Paula, Sophia und mich war das jedoch kein Hindernis, uns zumindest kurz in die Wellen zu stürzen um einmal das Meer auf unserer Haut zu spüren.

Mit dem Bus ging es zurück nach Mandal. Dort warteten schon unsere Austauschschüler in der Pizzeria „Jonas“, und wir verbrachten einen lustigen Abend mit viel Gelächter und angeregten Gesprächen.
Unser eigentlich letzter Tag begann in der Eisfabrik von Henning Olsen, dem größten Eisfabrikanten in ganz Norwegen. Nach einer kurzen Führung und einem anschaulichem Film über die Produktion wurden unsere Hoffnungen auf ein Gratis-Eis mehr als erfüllt, als es hieß: „Jetzt könnt ihr soviel Eis essen wie ihr möchtet!“ Schüler und Lehrer griffen ordentlich zu, dennoch schaffte keiner von uns den Rekord von siebzehn Eis in einer halben Stunde, da das Eis dort viel sahniger ist als unseres hier.

Mit vollen Mägen fuhren wir ins Zentrum von Kristiansand, wo wir eine Audienz beim Bürgermeister hatten. Wie wir es von Anfang an in Norwegen kennengelernt hatten, wurde auch hier Gastfreundschaft groß geschrieben und wir wurden zu Obst und Gebäck eingeladen. Wir erfuhren viel über die Geschichte und das politische System. Besonders gerührt waren wir am Ende, als der wichtigste Mann der Stadt jedem von uns als „kleines Präsent“ ein Buch über Kristiansand und den Film „Two and two“ schenkte. Damit war einmal mehr gesichert, dass wir diese Stadt nicht vergessen können werden!

Der anschließende Besuch im Freilichtmuseum zeigte uns die Architektur der Ahnen der Norweger. Da unser Programm an diesem Tag ziemlich straff war, konnten wir nicht alles besichtigen. In Mandal traf man schon Vorbereitungen für unser Abschiedsfest mit Essen, Musik und Gruppenspielen. Für mich persönlich war es der Schönste Abend, da man wirklich merkte, wie die Deutschen und die Norweger zusammengewachsen waren und wie auch die Distanz zwischen Schülern und Lehrern geschrumpft war.

Viel zu schnell gingen auch diese gemeinsamen Stunden zu Ende und Samstagmorgen hieß es Abschied nehmen. Es flossen Tränen, liebe Worte, Umarmungen, kleine Briefe und Abschiedsgeschenke wurden getauscht.

In nur wenigen Wochen werden wir die Gastgeber sein. Ich werde dann, wie drei andere in unserer Gruppe, zum Zweiten Mal eine norwegische Schülerin aufnehmen (1. Besuch im Februar 2011).
In der Hoffnung, dass sich dieser Austausch für beide Seiten bewährt und auch jüngere Schüler in den nächsten Jahren die Gelegenheit haben werden, dieses „wilde Land“ zu besuchen, warte ich aufgeregt auf den Gegenbesuch.

Denn: Jeg savner Norge!          (Ich vermisse Norwegen!)


Pia Strunk, Jgst. 13


« zurück zum Archiv
Preistraeger-Der-Deutsche-Schulpreis-Robert-Bosch-Stiftung
Zukunftsschulen NRW - Gütesiegel Individuelle Förderung MINT-EC-Schule zur Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - MINT-EC ist das nationale Excellence-Netzwerk von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT).
Europaschule zur Förderung interkultureller und innovativer Lernprozesse CertiLingua - Exzellenzlabel für mehrsprachige, europäche und internationale Kompetenzen
Sonstiges

Das Känguru zu Besuch am Annette100 chênes pour la paixBadminton-Mannschaften siegen bei den StadtmeisterschaftenBilbao-Austausch Auf geht`s zum Landesfinale Carina Ebert im Bundeswettbewerb Fremdsprachen erfolgreichAndalusien mit allen Sinnen entdeckenGemeinsames Experimentieren im Mint Lab on Castles

» alle Neuigkeiten

Termine

Di, 21. 05. 2019

17:00 - 18:30 Uhr, 4. Sitzung der Steuergruppe

Mi, 22. 05. 2019

18:00 Uhr, Kammerkonzert

Mo, 27. 05. 2019

Mündliche Abiturprüfungen (Hauptprüfungstag)

(unterrichtsfrei)

Di, 28. 05. 2019

Jgst. 7, Informationsveranstaltung Aufklärung gegen Tabak, Aula, Vorplanung

Di, 28. 05. 2019

EF, Mint on Castle

Fr, 31. 05. 2019

beweglicher Ferientag

(kurzfristige Änderungen vorbehalten)

» alle Termine