„Some were neighbors - Einige waren Nachbarn“

11. 03. 2020 00:00

Insgesamt sechs Klassen und Kurse der Jahrgangsstufen 8 bis 11 besuchten die Ausstellung „Einige waren Nachbarn. Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“ des United States Holocaust Memorial Museum zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Foyer der Bezirksregierung Münster. Begleitet wurden sie dabei von ihren Lehrerinnen Frau Boße, Frau Dr. Caspary, Frau Keen, Frau Taneri und Frau Wollbold. Der Besuch der Ausstellung war eingebunden in den Deutsch- und Geschichtsunterricht.

Die Ausstellung zeigt Verhaltensweisen Einzelner während der Verfolgung von Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Europa. In der Auseinandersetzung mit den gezeigten historischen Bild- und Filmdokumenten sowie in den anschließenden Diskussionen erfuhren die Schüler*innen, dass „das Verhalten der Menschen von behutsamen Zeichen der Solidarität mit den Opfern bis hin zu aktiven Rettungsversuchen, von der Duldung judenfeindlicher Maßnahmen bis hin zur bereitwilligen Zusammenarbeit mit den Tätern und eigener Täterschaft reichte“ (https://www.bundestag.de/besuche/ausstellungen/parl_hist/einige-waren-nachbarn-580636).

Angesichts des zunehmenden Rassismus und Rechtsradikalismus in Deutschland finden wir Lehrerinnen den Besuch der Ausstellung jahrgangs- und fächerübergreifend aus den folgenden Gründen besonders wichtig: Zum einen liefert die Ausstellung solides, auch lokalhistorisches Faktenwissen, das den Schüler*innen überzeugendes Argumentieren, z.B. gegen Alltagsrassismus ermöglicht, der im digitalen und nicht-digitalen Leben zunehmend gesellschaftsfähiger wird. Zum anderen werden sie sich ihrer historischen Verantwortung bewusst.


Wir hoffen daher, dass der Besuch der Ausstellung das Wissen um die historischen Vorgänge vertieft, die Wahrnehmung heutiger vergleichbarer Vorgänge schärft und den Schüler*innen somit ein entschiedenes Auftreten gegenüber diskriminierendem und rassistischem Verhalten ermöglicht.

E. Boße – G. Caspary – K. Keen – N. Taneri – S. Wollbold


Was haben wir beim Besuch der Ausstellung „Some were neighbors - Einige waren Nachbarn“ über das Verhalten von Nachbarn in der Zeit des Nationalsozialismus erfahren? Eine Antwort, verfasst von der Klasse 8e des Annette-Gymnasiums:

Manche Nachbarn, auch Kinder und Jugendliche, haben z.B. einfach zugesehen, wenn Menschen abgeholt wurden und dabei sogar gelacht. Sie haben also nichts dagegen unternommen, sondern die Angelegenheit belächelt und so getan, als sei es etwas ganz Normales, dass Nachbarn plötzlich abgeholt werden und verschwinden. Einige haben sogar von den Deportationen profitiert, indem sie z.B. Besitztümer von Nachbarn, die abgeholt worden waren, günstig bei öffentlichen Auktionen ersteigert haben. Schon kleine Kinder und Jugendliche wurden mit einem antisemitischen Bild groß und teilten daher schon im jungen Alter die Meinung und den Hass der Nationalsozialisten auf alle Menschen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie „anders“ waren. Ein historisches Filmbeispiel in der Ausstellung hat gezeigt, wie zwei Menschen öffentlich gedemütigt und gequält werden. Drumherum standen viele Nachbarn und waren sehr fröhlich. Niemand von den Anwesenden hat etwas gegen die Demütigung gemacht. Manche Menschen haben freiwillig bei Massenerschießungen z.B. von Juden mitgemacht. Dazu wurden sie nicht gezwungen und es gab auch keine Sanktionen, wenn man sich weigerte. Wenn man aber mitmachte, wurde man dafür belohnt und bekam den Respekt seiner Kameraden.

Meistens war die Reaktion der Nachbarn also das „Mitlaufen“ oder „Zusehen“ und in manchen Fällen sogar ein richtiges „Mitfeiern“, wenn z.B. Juden oder behinderte Menschen öffentlich erniedrigt wurden.
Nur wenige Menschen hatten den Mut, sich zu widersetzen. Sie haben ihren jüdischen Nachbarn Unterschlupf gewährt oder Bekannte und sogar unbekannte Menschen gerettet, wie z.B. ein Polizist, der Gefangenen half, aus dem Lager Westerbork zu fliehen. Die meisten Menschen haben aber einfach nichts unternommen oder die Handlungen der Nationalsozialisten sogar unterstützt.

Wir haben erfahren, dass auch in Münster Juden verfolgt, festgenommen und deportiert wurden. In der Reichspogromnacht wurden zum Beispiel im jüdischen Kaufhaus Feibes (heute Primark) die Schaufenster mit antijüdischen Parolen beschmiert, die Schaufensterdekoration geplündert und die Ladeneinrichtung zerstört bzw. teilweise in Brand gesetzt.

Es ist uns aufgefallen, dass in Münster sehr unterschiedlich an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnert wird. Mit einer großen Statue wird z.B. an den Kardinal von Galen erinnert, der sich in seinen Predigten mutig für behinderte Menschen eingesetzt hat, aber nicht gegen die Deportation und Vernichtung der Juden. An die Bücherverbrennung wird hingegen nur mit einer unscheinbaren Tafel im Boden gegenüber vom LWL Museum für Kunst und Kultur erinnert. An die deportierten und ermordeten jüdischen Opfer wird sogar nur mit kleinen Stolpersteinen erinnert, die leicht übersehen werden können – wer hat z.B. schon einmal auf den Stolperstein vor Primark geachtet, der an Hedwig Feibes (*1895) erinnert, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet wurde?


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