Inhaltsverzeichnis

Chronologie der Ereignisse
Jan Matthys
Jan van Leyden
Bernd Knipperdolling
Bernd Krechting
Graf Franz von Waldeck
Entstehung der Täufer
Rückeroberung Münsters
Erschreckende Folgen des Täuferreichs


Chronologie der Ereignisse

Vorgeschichte

In Deutschland breitet sich die Reformation aus. Auch die Stadt Münster wird lutherisch. In der Schweiz und in Holland bilden sich täuferische Gruppen.

1530/31

Bernhard Rothmann beginnt in St. Mauritz reformatorisch zu predigen

7/8.8.1533

Disputation im Rathaus über Taufe und Abendmahl

5/6.1.1533

Rothmann und seine Anhänger empfangen heimlich die Erwachsenentaufe

1.2.1534

Tolerierung der Täufer durch den Rat, Auswanderung von „andersgläubigen“ Bürgern, Zuzug auswärtiger Täufer; Münster wird Sammlungsort der „Auserwählten“

23.2.1534

Sieg der Täufer bei den Ratswahlen

24.2.1534

Die Ankunft des Täuferpropheten Jan Matthys löst Bildersturm und Bücherverbrennung aus, der viele mittelalterliche Kunstwerke zum Opfer fallen

27.2.1534

Beginn der Belagerung Münsters durch Truppen des Bischofs; Zwangstaufen

5.4.1534

Tod des Jan Matthys bei einem militärischen Ausfall

April 1534

Jan van Leyden setzt als Prophet die Herrschaft der „zwölf Ältesten“ ein

25.5.1534

Erster Generalsturm der Belagerer scheitert

Juli1534

Nach Berufung auf das alte Testament: Einführung der Polygamie (Mehrehe)

31.8.1534

Zweiter Generalsturm der Belagerer scheitert

September 1534

Jan van Leyden wird zum König proklamiert (Radikalisierung)

November 1534

Belagerer beschließen Aushungerung der Stadt

April 1535

Beginn einer Hungersnot

24.6.1535

Die Stadt fällt durch Verrat



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Jan Matthys
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Jan Matthys wurde um 1500 in Haarlem (Niederlande) geboren und starb am 5. April 1534 in Münster. Über seine Jugend ist kaum etwas bekannt, man weiß nur, dass er früher als Bäckerlehrling arbeitete, bevor er sich der Täuferbewegung anschloss. Dort fiel er immer wieder durch Radikalität auf.
Er wollte besonders folgenden Prinzipien verwirklichen:

1.)  Die Welt sollte durch ihn "vom Unglauben" gereinigt werden
2.)  Er wollte einen Platz zur Errichtung eines "neuen Jerusalems" finden, das Gott ihm durch Signale vorgibt.

Um es vorwegzunehmen: Jan Matthys wählte später Münster als diese Täuferhauptstadt aus. Um seine Vorstellungen durchzusetzen, sandte er viele "Apostel" ins Land, darunter war auch der spätere "Täuferkönig" Jan van Leyden, den er 1533 selbst getauft hatte. Nachdem van Leyden ihm berichtet hatte, es sei möglich ein Täuferreich in Münster zu errichten, folgte er seinem "Apostel". Direkt nach seiner Ankunft wurde in Münster ein Bildersturm veranlasst, bei dem Kirchen und Schriften zerstört wurden, darunter auch ein berühmtes Werk des Künstlers Rudolf von Langen. Der einzige Grund des Bildersturms war für Matthys, dass die Stadt Münster von den Spuren der Vergangenheit gereinigt werden sollte. Nach und nach errichtete Matthys in Münster eine "Täuferdiktatur", sodass in der Stadt selbst Terror und Unterdrückung herrschte und Münster von außen durch die bischöflichen Truppen belagert wurde, die versuchten die Stadt zurück zu erobern. Im Februar 1534 rief Jan Matthys dann offiziell zur Wiedertaufe auf. Wer diese ablehnte, musste entweder bis Mitternacht die Stadt verlassen oder hatte mit harten Strafen rechnen. Was viele jedoch nicht wussten: Warum veranlasste Matthys überhaupt die Erwachsenentaufe? Nicht nur die Ablehnung der Kindertaufe, sondern auch der Fakt das Matthys sehr abergläubisch war und in naher Zukunft das Jüngste Gericht erwartete, war für ihn ein Kriterium, denn alle die "wiedergetauft" waren, sollten das Jüngste Gericht überleben. Auch setzte er sich eine Frist bis Ostersonntag bis das Jüngste Gericht eintreten sollte. Als nichts geschah löste dies bei ihm eine tiefe Depression aus, was ihn dazu veranlasste am 5. April 1534 (seinem Todestag) aus der Stadt und den bischöflichen Truppen entgegen zu reiten. Der Grund für diese Aktion bleibt bis heute ungeklärt. Am wahrscheinlichsten ist jedoch die Begründung, dass er eines Märtyrertodes sterben wollte.


 

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Jan van Leyden
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Jan van Leyden, sein bürgerlicher Name war Johann Bockelson, wurde um 1509 als Sohn eines Schulzen und einer Dienstmagd geboren. Er wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Van Leyden erlernte das Schneiderhandwerk und arbeitet in Flandern und England. Danach zog er nach Leyden und heiratete die Witwe eines Schiffers. Als Kaufmann reiste er bis nach Lübeck und Lissabon. 1533 lernte er Jan Matthys, einen ranghohen Mann der Täufer, kennen und ließ sich von ihm taufen. Dann wurde Leyden Wanderprediger der Täufer bevor er nach Münster kam, um Matthys zu helfen das Täuferreich auszubauen. Nach Matthys Tod am 5.April 1534 wurde Jan van Leyden alleiniger Herrscher der Täufer in Münster. Nach der Eroberung Münsters wurde Jan van Leyden am 20. Januar 1536 in Münster zu Tode gefoltert.




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Bernd Knipperdolling
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Bernd Knipperdolling war einer der drei bekannten Anführer im Täuferreich. Er wurde ca. 1495 in Münster geboren und trug eigentlich den Namen "van Stockem", den er jedoch ablegte. Am 22. Januar 1536 ist er auf dem Prinzipalmarkt ermordet worden.
Bernd Knipperdolling stammte aus einer wohlhabenden Tuchhändlerfamilie. Über seine Jugend ist relativ wenig bekannt. Man weiß aber, dass er 1525 eine gewisse "Margaretha Kannengeter" heiratete, die jedoch nach Fall des Täuferreiches, aufgrund ihrer Überzeugung zu eben dieser Religion, hingerichtet wurde. Bernd Knipperdolling geriet schon 1528 in Konflikt mit dem Bischof, den er anklagte. Da dies zu der Zeit nicht üblich war, wurde er als selbstbewusst angesehen. Ferner war er relativ früh Mitglied eines radikalen Flügels der Täuferbewegung, die sich um den Prediger Bernd Rothmann sammelten. Am 15. Januar 1534 vollzog er erste "Erwachsenentaufen" in seinem Haus, was seine Überzeugung zum Täufertum zeigt. Zuerst wurde er durch Johann Bockelson (Jan van Leyden) zum Scharfrichter ernannt und nach der Erhebung Bockelsons zum König wurde Knipperdolling zum Bürgermeister von Münster ernannt. Nach der eineinhalb Jahre andauernden Belagerung wurde Münster von "Bischof Franz Graf von Waldeck" zurückerobert und Bernd Kniperdolling wurde verhaftet. Zusammen mit Bernd Krechting und Jan van Leyden wurde er auf dem Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen gefoltert und anschließend erdolcht. Daraufhin wurden die Leichnahme in die drei eisernen Körbe gesperrt und an den Kirchturm der Lambertikirche gehängt.
 

 

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Bernd Krechting
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8Bernd Krechting wurde vor 1500 als Sohn eines Stadtschreibers in Schöppingen geboren. Er erhielt wie seine fünf Brüder eine höhere Schulbildung. Später wurde er Geistlicher, dann Hauslehrer beim Grafen von Bentheim. Daraufhin erlangte er eine Pfarrstelle zu Gildehaus in der Grafschaft Bentheim und verkündete dort propagandistische täuferische Lehren. Aus diesem Grund wurde er jedoch kurz darauf entlassen. Mit denjenigen, die er überzeugt hatte, zog er ins westfälische Münster. Dort wurde er einer der täuferischen Pfarrhelfer. In der Hofordnung des Jan van Leiden war er als Rat tätig. Am 22. Januar 1536 wurde er gemeinsam mit Jan van Leiden und Bernd Knipperdolling auf dem Prinzipalmarkt in Münster zu Tode gefoltert. Sie wurden mit glühenden Eisenzangen eine Stunde lang gefoltert und schließlich mit einem glühenden Dolch getötet. Schließlich wurden sie hoch oben an der Lambertikirche aufgehangen. Diese Aktion sollte zur Abschreckung derjenigen dienen, die sich der Kirche widersetzten. Die Käfige hängen noch heute an der Lambertikirche.

 

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Graf Franz von Waldeck
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Hier eine chronologische Übersicht vom Lebenslauf des damaligen Bischofs von Münster:
1491Geburt Waldecks als Sohn des Grafens Philipp II. von Waldeck
1532in Osnabrück und Münster zum Bischof gewählt als Kandidat Philipps von Hessen
1533 auf Grund des Bündnis mit Landgrafen Philipp hat er Münster durch Vertrag völlige Religionsfreiheit eingeräumt. Die lutherische Bewegung schlägt ins Radikale um. Waldeck versucht diese einzudämmen, doch Münster fällt in die Hand der täuferischen Sekte. Zur Rückeroberung muss er die Hilfe des Reiches beanspruchen. Später wird die Stadt unterworfen und rekatholisiert
15.7. 1553Tod auf seinem Schloss in Waldeck an einem Schlaganfall

Alles in allem war Franz von Waldeck der Gegenspieler der Täufer und versuchte beständig seine verlorene Stadt Münster zurück zu erobern.

 

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Entstehung der Täufer
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Durch die von Martin Luther 1517 veröffentlichten Thesen, die gesellschaftlich eine religiöse Revolution auslösten, war eine wichtige Basis für Gründungen von neuen religiösen Gruppierungen gegeben worden. Darunter auch die Täufer, die sich folgende Prinzipien zur Hauptaufgabe machten:

1. Propaganda und Vollzug von "Erwachsenentaufe"
2. Bann der hartnäckigen Sünder aus der Gemeinde
3. Absonderung von allem Übel der Welt
4. Verzicht auf Gewalt
5. Eigene Wahl der Anführer

Die Täuferbewegung hat ihren Ursprung in Zürich (Schweiz). Sie gilt als Abspaltung der von Zwingli eingeleiteten und durchgeführten Reformation, die einer Gruppe um Felix Mantz und Konrad Grebel, die als Begründer der Täuferbewegung gelten, nicht durchgreifend genug erschien. Daher gründeten sie eine Gemeinschaft der Glaubenden, die sich von der Welt absonderte. Felix Mantz und Konrad Grebel führten daraufhin auch die ersten Erwachsenentaufen durch.

Der 21. Januar 1525 gilt jedoch als "offizielles" Gründungsdatum der Täuferbewegung. An diesem Tag kam die soeben beschriebene Gemeinschaft zusammen, um nach ausführlichen Gesprächen eine Täufergemeinde zu bilden.

Daraufhin verbreitete sich das Täufertum sehr rasch. Wichtige Stationen sind das Alpengebiet, der Nordwesten von Deutschland mit dem Täuferreich in Münster, die Niederlande und Mähren.

 

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Rückeroberung Münsters

6Die Rückeroberung Münsters begann mit der Belagerung Münsters am 28. Februar 1534. Am 31. August 1534 folgte dann der erste Sturm auf Münster, der von 8000 Landsknechten durchgeführt wurde. Hierbei kamen 3000 Landsknechte um und die Eroberung misslang. Selbst nach einem Jahr Belagerung durch die bischöflichen Truppen lehnten die Täufer die am 30. Mai 1535 geforderte Kapitulation ab, obwohl ihre militärische Situation auswegslos war. Fünf Tage später erklärte der Reichstag zu Worms die Eroberung Münsters zur kostenintensiven Reichssache. Bischof Franz von Waldeck bekam Hilfe von dem Landgrafen Philipp von Hessen und seinen Truppen. In der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1535 konnte Münster zurückerobert werden. Dies gelang dadurch, dass ein Bürger das Kreuztor öffnete, durch welches die Truppen einmarschierten. Innerhalb der Stadt gab es erbitterte Straßenkämpfe, die jedoch nicht die Rückeroberung verhindern konnten. Am 20. Januar 1536 fand die Folterung der drei Anführer der Täufer statt. Jan van Leyden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling wurden am Nachmittag am Prinzipalmarkt unter zahlreichen Schaulustigen, unter anderem auch die Armee von Graf Waldeck, mit glühenden Zangen gefoltert und schließlich erdolcht. Ihre Leichen wurden in eigens angefertigten eisernen Körben an den Turm der Lambertikirche gehängt.



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Erschreckende Folgen des Täuferreichs
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Die Belagerung Münsters durch Bischof Franz von Waldeck und seine Truppen führte zu einer schrecklichen Hungersnot in ganz Münster. Die Handelswege waren versperrt und so konnten keine Waren nach Münster gelangen, weshalb die Nahrungsmittel rationiert werden mussten. Angst und Hunger führten oft zu Verzweiflungstaten. So sollen der Legende nach auch einige Bauern wegen der ausweglosen Situation die Kalkfarbe von den Kirchen abgekratzt haben und mit Wasser vermengt haben, um daraus eine milchartige Flüssigkeit herzustellen und sie als Milch zu verteilen. Dramatische und brutale Straßenkämpfe zwischen den hungernden Menschen führten zu grausamen Bluttaten, die die ganze chaotische Situation in Münster prägten. Auch einige Diebe nutzten die Gunst der Stunde, um aus der Panik ihren Profit zu ziehen. Sie raubten nämlich zahlreiche Geschäfte und Händler aus.